• „Wie der Spieler fieberhaft seinen Partien nachsinnt, nachts vom Gespenst des Schachbrettes oder des Spieltisches, auf den die Karten fallen, heimgesucht, von taktischen Kombinationen und ebenso spannenden wie nichtigen Lösungen bedrängt wird, so auch der Künstler, der wesentlich Künstler ist.“ – Paul Valéry

Dirigieren

Als Kind hatte ich beim Hören von Musik den intensiven Drang, das Gehörte zu dirigieren. Ich wusste wohl, dass meine Gesten eher Tanz waren, der sich bloß als Anweisung gerierte. Dennoch war ich dabei peinlich darauf bedacht, den Eindruck zu erwecken, die Musik würde sich nach meinem Fuchteln richten; auch imitierte ich die Gesten der … Weiterlesen

La nature morte

Wenn es stimmt, dass die Malerei ihr Pathos an dem hat, was ist – sei sie noch so abstrakt, sie das Bestehende zum Problem hat, dann ist sie vielleicht wirklich dem Gegenstand und seiner Darstellung verpflichtet. Den Kubisten Braque und Picasso war jedenfalls stets die Darstellung des Gegenstandes von oberster Wichtigkeit. Sie kamen von der … Weiterlesen

Fantasia

Malerei und Musik sind sich ähnlich: Ausdrücke wie „Klangfarbe“ oder „Harmonie“ weisen darauf hin. Selbst die Versuche Musik als Zeitkunst von der Raumkunst Malerei abzugrenzen halten nur bedingt. Paul Klee weist in seinen kunsttheoretischen Schriften auf das zeitliche Moment am Bild sehr eindringlich hin. „Wenn ein Punkt Bewegung und Linie wird, so erfordert das Zeit. … Weiterlesen

Wolkenfarben

In dem Film Das Mädchen mit dem Perlenohrring unterhält sich die Hauptfigur, eine Magd, die Vermeer beim Malen assistiert, mit dem Delfter Meister. Er fragt sie nach der Farbe der Wolken. Zuerst antwortet sie, sie seien weiß, nur um sich gleich darauf zu verbessern. Nein, nicht weiß; gelb wären sie und blau und grau, das … Weiterlesen

Somnambulie

Es verhält sich weniger so, dass die Gedanken einfach schon von der Maschinerie vorgegeben wären. Eher fügt der Gedanke sich aus eigenem Antrieb, mehr oder minder bewusst, in die Apparatur, um sie bedienen zu können. Freilich ist das Zurechtkommen mit den zur Natur verfestigten Verhältnisse überlebensnotwendig: wer nicht lernt, ihnen gemäß zu denken, bleibt auf … Weiterlesen

Brunnen

Simon Sailer, Brunnen (2011)
Tusche und Pinselstift auf Papier

Zeit und Raum

Lessing wendet sich in seinem Laokoon gegen die Vorstellung, Malerei sei gemalte Poesie, während Poesie spiegelbildlich mit Worten male. Vielmehr trennt er die beiden Bereiche ab, bestimmt jene als räumlich und diese als zeitlich. Auf den ersten Blick scheint er darin Adorno zu ähneln, der in seinen Überlegungen zum Verhältnis von Malerei und Musik, sie … Weiterlesen

Geschwätz

„Wer für Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllte …“ Dialektisches Denken bringt es mit sich, dass seine einzelnen Momente nicht für sich allein stehen können. Weil sie in ihrer jeweiligen Konstellation sich auf … Weiterlesen

Basis : Überbau

Wer heute ohne Scherz noch wagt, von Basis und Überbau zu sprechen, gerät in den Verdacht, Deterministin zu sein. Eine solche schematische Theorie der Widerspiegelung – so der Vorwurf – würde der komplexen Realität nicht gerecht, in der sich Sein und Bewusstsein gegenseitig dialektisch hervorbringen und stabilisieren. Hinter diesem Einwand, der sogar auch sein Berechtigtes … Weiterlesen

Was darunter liegt

Simon Sailer, Was darunter liegt (2011)
Gouache und Tusche auf Passepartoutkarton

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